Die Ursprünge des Dorfes lassen sich nach der Vielzahl der archäologischen Funde in der Umgebung des Dorfes bis in die Zeit von ca. 5000 Jahre vor Christus zurückverfolgen. Ausgrabungen im Kircheninneren, Aufnahmen der Luftbildarchäologie, vereinzelte Funde auf den Äckern, Lesefunde und eine kleine archäologische Sondage im Neubaugebiet im Süden des Dorfes zeigen, dass die Geschichte von Haunersdorf  vor fast 7000 Jahren begonnen hat.

Unsere bayerische Heimat ist seit ca. einer Million Jahre eisfrei. Im Vilstal lebten Menschen, die Mammutherden und bis vor ca. 2000 Jahren noch Braunbären jagten.

Außergewöhnlich gute Böden, viel Wasser und ein günstiges Klima sorgten in dieser Zeit dafür, dass sich die ersten Siedler im Süden und im Osten von Haunersdorf dauerhaft niederließen. Diese Menschen wanderten überwiegend aus den südlichen Gegenden Europas hier ein, brachten Ziegen, Kühe und Schweine mit und machten sich sesshaft.

  Modell eines Wohnhauses vor ca. 7000 Jahren

Überall standen damals dichte Eichen- und Buchenwälder, nur unterbrochen von gelegentlichen Siedlungen. Diese neue Lebensweise erforderte architektonische Lösungen, die sich grundsätzlich von den mobilen Unterkünften früherer Zeiten unterschieden. Am Beginn der durch Holz, Lehm und Flechtwerk charakteristischen, alteuropäischen Bauweise stand somit die überlebenswichtige Notwendigkeit, Menschen,  Tiere und die Vorräte dauerhaft sicher unterzubringen. Die Bauweise der ersten Häuser und Vorratsspeicher konnte unter anderem in der Nähe von Prunn nachgewiesen werden.

Die ersten Ackerbauern und Viehzüchter werden nach der Art wie sie ihre Keramikarbeiten verzierten,  Linearbandkeramiker  genannt. Bruchstücke von Gefäßen, Pfeilspitzen, Kämme aus Knochen und Geräte aus Feuerstein, welche sie aus der Gegend um Kelheim und Ortenburg bezogen hatten, fand man auf den Feldern im Osten des Dorfes bei Steinbeißen. In südlicher Richtung, im Gebiet der Pflugbeilstraße, konnte Kreisarchäologe Ludwig Kreiner bei Grabungen im Jahre 1990 Gruben und Spuren von Holzhäusern, aus der Zeit vor ca. 7000 Jahren entdecken. 

Mehrere hundert Jahre bestanden diese Besiedlungen der Ackerbauern und Viehzüchter, bis die Böden durch den intensiven Anbau und die Bodenerosion ausgelaugt waren. Die nächsten Bauern waren gezwungen, neue Ackerflächen im dichten Eichenmischwald, der das ganze fruchtbare Niederbayern überzog, zu roden.

Zum Ende der Jungsteinzeit, also etwa vor 5000 Jahren, wurden erneut Dörfer angelegt. Ein Dorf entstand im Norden der jetzigen Ortschaft und ein weiteres bei Steinbeißen. Mit der Entdeckung - man erkannte, dass man aus Kupfer und Zinn einen wertvollen Stoff  (Bronze)  herstellen konnte - trat eine tief greifende Veränderung, auch politischer Natur ein. Zwar blieben die Menschen weiterhin überwiegend Ackerbauern, jedoch nahm auch der Handel stark an Bedeutung zu.  

Im Süden von Haunersdorf, dort wo das Hügelland in Richtung Taubenberg beginnt, bauten die Menschen der Bronzezeit ihr Dorf auf.  An diesem Berghang, an der Bahnlinie nach Simbach, finden im Frühjahr 1996 wieder Ausgrabungen statt. Nach einer Pause von fast 3500 Jahren, werden dort jetzt wieder Häuser gebaut.

Die nächste Besiedlung erfolgte dann erst in der Zeit um 400 v. Chr., als die Kelten zwischen Haunersdorf und Mienbach ein Dorf errichteten. Sie fertigten bereits Werkzeuge aus Eisen, konnten wunderschönen Glas-schmuck herstellen und töpferten mit Drehscheiben. Eine Luftaufnahme von 1984 lässt die Grundrisse einer größeren Tempelanlage bei Biberg vermuten. Spuren eines keltischen Dorfes, Reste eines Backofens und eine keltische Münze aus der Zeit von ca. 200 vor Christus (wird in der Prähistorischen Staatssammlung in München aufbewahrt), fand man im Südwesten unseres Dorfes.

Keltische Münze, bei Ausgrabungen im Süden des Dorfes gefunden
 
Die Ausgrabungen, die 1995 im Zuge der Kirchen-Innenrenovierung stattfanden, ergaben, dass in unserer Gegend in der Zeit von 700 - 800  bereits Menschen in einer Art christlicher Lebensgemeinschaft miteinander lebten und eine Kirche aus Holz erbauten. Neben mehreren Gruben, die etwas Keramikmaterial und einen eisernen Schlüssel aus dem 8. - 9. Jahrhundert enthielten, fand man auch 4 große Pfostengruben, die sicher zu dem ersten Kirchenbau an diesem Ort gehörten.

Modell einer Holzkirche aus dieser Zeit

Die Ausmaße scheinen, zumindest was die Breite betrifft, etwa identisch mit dem romanischen Bau gewesen zu sein. Diese Entdeckung innerhalb unserer Kirchenmauern zählt zu den ältesten Kirchenfunden Niederbayerns. 

Im Jahre 739 errichtete der heilige Bonifatius die bayerischen Bistümer Salzburg, Freising, Regensburg und Passau. Zur Ausübung einer planmäßigen Seelsorge entstanden aber erst in den Jahren 900 - 1000 in den größeren Dörfern Pfarrsitze, die so genannten Urpfarreien. In den Unterlagen der Diözese Passau werden die Orte Oberhausen, Niederhausen, Aufhausen, Haunersdorf und Dornach zu den Urpfarreien des mittleren Vilstales im Bistum Passau gezählt. 

Die Grundrisse der ersten Haunersdorfer Kirche aus Stein, die im 12. Jahrhundert erbaut wurde, konnten ebenfalls dokumentarisch nachgewiesen werden.  

Fundamentsockel eines Altares oder Taufbecken

 

Die Fundamentmauer aus Ziegel verlief unmittelbar innerhalb der bestehenden barocken Kirchenmauern und war mit 1,5 m außer-gewöhnlich breit. Die Vermutung,  dass es sich bei diesem Fund um die „capella“ aus dem 13. Jahrhundert handelt, wird noch durch Keramikfunde aus dieser Zeit unterstützt. 

Im Bereich der heutigen Sakristei, genau fluchtend zur Längsachse des Kirchenschiffes, stieß man ebenfalls auf eine große Ansammlung von kalkigen Gesteinsbrocken. Diese geschichteten Steine bildeten den Fundamentsockel eines Altares oder Taufbeckens aus der Zeit von 1120 - 1200. Die Richtigkeit der Angaben beweist auch der Fund eines fast vollständig in Scherben zerfallenen Keramikgefäßes. Starke Brandspuren im Mauerwerk und in den Erdschichten lassen auf einen größeren Brand im Bereich der Sakristei schließen.

 

Woher hat Haunersdorf seinen Namen?

Der Name Haunersdorf ist aus den beiden Namen „Hunold“ und „Dorf“ entstanden. Mit dem altdeutschen „Hunold“ wird der Hüne oder der wie ein Hüne (Riese) Kämpfende umschrieben. Über die Jahrhunderte hinweg änderte sich der Name immer wieder geringfügig.

In der Zeit von 1120 - 1279 wird der Ort Haunersdorf erstmals schriftlich in Urkunden von Fürstencelle, Windberg und Alderspach als „Hunoldstorf“ und „de haunoldstorff an der Vils“ erwähnt. Ein „Lutoldus de Sauersteten“ übergibt „predium in Chindeheim de manu Eberhardi de Sigenheim“ an das KI Reichenbach. Als Zeuge für das KI Reichenbach tritt „Durinc de Honoldisdorf“ auf. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts war ein „Heinricus de Hunoldestorf“ ebenfalls Zeuge bei einem Schriftverkehr. Besitzer des Ortes Haunersdorf soll ein hiesiges Adelsgeschlecht gewesen sein.

Im Jahre 1149 wird auch erstmals „Zell“ erwähnt. Hier lebte einst ein Eremit. Er baute zusammen mit Mönchen der Zisterzienser-Abtei Fürstenzell bei Passau ein Kirchlein. Neben der ehemaligen „Kloster Zelle“ hat sich der jetzige Bauernhof von Johannszell entwickelt. Der Name Johannszell weist heute noch auf die Entstehungszeit hin. Die stille Kirche in verträumter Einöde war ehemals die Pfarrkirche von Haunersdorf. Herzog Heinrich von Bayern erteilte dem Kloster Fürstenzell das „Jus patronatus“ (das Recht der Pfarrbesetzung). Damit erhielten die Mönche in der Einöde Johannszell die pfarrherrlichen Rechte für das Gebiet der heutigen Pfarrei Haunersdorf und auf die „Capella in Haunoldstorf“. Als Patron hat die Kirche den Hl. Johannes den Täufer. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts feierten die Pfarrangehörigen das Kirchweihfest am Sonntag nach Maria Geburt.

Am 9. Juni 1437 erhielt die Ortschaft Haunersdorf durch einen Verkauf an den bayerischen Herzog Heinrich einen neuen Namen. Heinrich  wurde  Inhaber der „hofmark haunersdorf“. Er kaufte damals von Amalia von Egloffstein, Elisabeth von Wolfstein und Clara von Kreig „hofmarch, gülten und gueter zu haunerstorff“. 1464 wurde dann der bayerische Herzog als Besitzer von 23 Anwesen der „hofmarch haunersdorff“ angegeben. Um das Jahr 1555 gehörte zur „hofmarch haunerstorff“ unter anderem eine Taverne, ein Thurnhuber-, ein Fischleder-, ein Niedermaier-, ein Obermair-, ein Mittermeirhof und eine Hube. Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zählt die Hofmark Haunersdorf zum Kastenamtsbezirk Landau.

Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges ist uns über das Dorf Haunersdorf nichts bekannt. Aber nachdem in den Nachbardörfern die Truppen der Franzosen und Schweden fürchertlich gehaust hatten, ist es schwer vorstellbar, dass unsere Ortschaft gänzlich von den Wirren des Krieges verschont geblieben wäre.

1712 erbaute Pfarrer Ferdinand Wisselsberger zu „Ehren des Hl. Antonius von Weißenberg“ das schmucke Rokokokirchlein in St. Antoni. Der Pfarrer war damals schwer erkrankt und bat den Hl. Antonius, als Nothelfer zu wirken. Der Geistliche wurde wieder gesund und hielt sein Gelübde. Seine wundersame Heilung führte dazu, dass das von ihm errichtete kleine Gotteshaus bald zu einem Wallfahrtsort wurde. Zahlreiche Votivtäfelchen sind heute noch Zeugen der vielen Gebetserhörungen.

In den Jahren um 1723 wurde die katholische Pfarrkirche von Haunersdorf neu erbaut. Sie ist dem Hl. Stephanus geweiht mit „Sanctissimum und Sepultur“. Die Kirchweihe wird am Sonntag vor Jacobi gefeiert. Von der früheren Kirche, die aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhundert stammt, ist nur noch der massive Turmbau vorhanden.

  Ausschnitt aus der Weinerus-Karte des Herzogtums Bayern aus dem Jahre 1579 (Philipp 
Apian)

Am 24. August des Jahres 1749 vernichtete eine große Heuschreckenplage die gesamte Ernte des mittleren Vilstales von Reisbach bis nach Adldorf. Durch den vollständigen Ernteverlust war eine große Hungersnot für Mensch und Tier in den nächsten Jahren die Folge.

Im 18. Jahrhundert lebte in Haunersdorf die Familie Hausner. Johannes Michael Hausner, verehelicht mit Eva Maria Sesselsperger aus Simbach/Inn, erhielt durch Übergabe die Brauerei und das Gut und bewirtschaftete es von 1741 bis 1768. Die Hausnerschen Brauerseheleute gründeten am 11. November 1776 in Haunersdorf ein Frühmessbenefizium. Aus dem hinterlegten Kapital von 6500 Gulden erhielt der Benefiziant jährlich 4 Prozent. Die Fassion des Pfarrers betrug 975 Gulden und 36 Kronen, während das Widdum (Pfarrgut) 23 Tagwerk Feld- und Wiesengrund aufwies.

Die Familie Hausner übergab den Besitz am 1.10.1768 an die Tochter Maria Anna Hausner. Diese heiratete am 28.10.1768 Matthias Mittermeier, einen Bauerssohn aus Schalldorf (Pfarrei Postmünster). An diesem Tag begann auch die große Ära der Familie Mittermeier im Dorf. Die Größe des Grundbesitzes der Brauerei kann für diese Zeit nicht nachgewiesen werden. Zu  Beginn des 20. Jahrhunderts besaß die Familie Mittermeier jedoch 520 Tagwerk Wald-, Feld- und Wiesengrund.   

Als sich das Dorf immer mehr vergrößerte und die Klöster durch die Säkularisation 1803 ihrer Rechte und ihrer Besitztümer beraubt wurden, gingen die pfarrherrlichen Rechte auf die Kirche und die Pfarrei in Haunersdorf über. Die Gründung der Pfarrpfründestiftung erfolgte am 9. Januar 1806.

 

Bereits im Mittelalter wurden in großen Besitztümern und verschiedenen Städten Bücher über Grund und Boden geführt. Die Herrschaftsbereiche sind vielfach mit Grenzsteinen und Friedenssäulen abgemarktet gewesen. Zum Schutz vor unberechtigtem Versetzen hat sich im ausgehenden Mittelalter das Feldgeschworenenwesen entwickelt.

 

Im Jahre 1801 begann man auf Anordnung des damaligen Kurfürsten Maximilian IV. Joseph (der spätere König Max I. Joseph) mit einer landesweiten Grundlinienvermessung des gesamten bayerischen Gebietes.

Dieses Vermessungsergebnis verwendeten die damaligen Herrscher Bayerns zur Erstellung eines Grundsteuerkatasters. Jedes Flurstück und jedes Gebäude wurde mit seinen errechneten steuerlichen Daten im Grundsteuerkataster niedergeschrieben.

Es folgte die Einteilung des Landgerichtsbezirks Landau in zwei Rentämter. Das Rentamt Landau hatte dann  42 Steuerdistrikte und das Rentamt Dingolfing  21 Steuerdistrikte. Man nahm damals weder auf Jurisdictionsverhältnisse noch auf Pfarrsprengel oder auf alte Obmannschafts- oder Ämtereinteilungen Rücksicht. Es war ein rein geographisches Vorgehen. Man achtete lediglich darauf, dass die zusammengefassten Ortschaften in einem abgerundeten Raum günstig zueinander lagen. 

Katasterauszaug aus dem Jahre 1826 des Vermessungsamtes Landau

Der Katasterauszug zeigt die Ortschaft Haunersdorf nach der ersten Vermessung durch die bayerischen Landvermessungsbehörden im Jahre 1826. Alle 30 bis 40 Jahre erfolgten weitere Landvermessungen. Bei genauem Hinschauen fällt uns auf, wie klein der Ortskern gegenüber den heutigen Ausmaßen damals war.

Eine weitere Übergabe der Besitzungen der Familie Mittermeier erfolgte am 1.12.1808. Franz Xaver Mittermeier heiratet am 2.5.1814 die bürgerliche Hofwirtstochter Maria Anna Elisabeth Schmid aus Wurmannsquick und bewirtschaftete die Brauerei und das Gut bis zum 27.1.1853.

Ab 1850 erbauten im Dorf einige zugewanderte Personen, Bauern und Bedienstete der Brauerei und des Gutshofes Mittermeier Häuser und kleine Anwesen. In einem weiteren Katasterauszug aus dem Jahre 1869 sind diese an der heutigen Aufhausener Straße, der Bahnhofstraße und am südlichen Ortseingang des Dorfes ersichtlich.

 

Am 27.1.1853 wurde der Besitz der Familie Mittermeier an  den Sohn Matthäus, verheiratet mit der Gastwirtstochter Ottilia Liebhardt aus Erharting, übergeben. 

 

In diese Zeit (1857) fällt auch die Gründung einer Landpolizeistation. Der Verwaltungsrat der Gemeinde erarbeitete eigens ortspolizeiliche Vorschriften, die im Jahre 1884 in einem Handbuch niedergeschrieben und vom Gemeinderat und dem Bezirksamt in Landau bestätigt wurden.

Ab 1867 wirkte in Haunersdorf ein sehr rühriger Pfarrprovisor, Josef Pflugbeil. Aus Überlieferungen ist zu ersehen, dass er in Bayern der Mitbegründer der ersten landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen (Berufsschulen) mit eigenen Statuten war. Die Haunersdorfer Fortbildungsschule war in dem damals neu erbauten Schulhaus neben dem Friedhof untergebracht.

 

Außerdem gründeten 75 Bauern aus dem ganzen Vilstal und darüber hinaus am 19. Juli 1867 einen der ersten Bauernhilfsvereine mit Sitz in Haunersdorf. Die Mitglieder kamen aus Adldorf, Aufhausen, Frammering, Kammern, Mettenhausen, Haunersdorf, Niederhausen, Niederhöcking, Oberhöcking, Oberhausen, Reichersdorf, Rengersdorf, Pischelsdorf, Ruppertskirchen und Simbach.

 

Die Gründung der Dorffeuerwehr am 30. Oktober 1870 und die vielen wieder gefundenen Unterlagen aus dieser Zeit über den Schriftverkehr mit Versicherungen, mit der Diözese Passau, mit dem Rent- und Bezirksamt Landau und mit anderen Gemeinden lassen auf eine sehr große Aktivität in der damaligen Zeit schließen.  

Autographie von Lehrer Friedrich, Haunersdorf aus dem Jahr 1862

Josef Pflugbeil verfasste dann 1880 als „Frühmess Curat“ in Stubenberg ein Buch mit dem Titel „Studien und Mitteilungen aus dem Benedictinerorden“, in welchem er die Ortschaft Haunersdorf in der Zeit um 1868 wie folgt beschreibt: 
„Sechs Fußstunden nördlich von Eggenfelden, an der Grenze des Landgerichts Eggenfelden, im Landgerichte Landau an der Eggenfelden-Straubinger Staatsstraße liegt das vormalige Schloss Haunersdorf, ein Pfarrdorf mit 181 Einwohnern, 51 Gebäuden, einer Kirche, einem Benefizium, Schule und Postexpedition. Haunersdorf bildet selbst eine politische Gemeinde, liegt am rechten Ufer der Vils und besitzt ein Bräuhaus. Vor etlichen hundert Jahren hatte dieser Ort selbst sein eigenes Adelsgeschlecht, de Haunoldstorf genannt. Der Platz, wo vormals das Schloss erbaut war, ist entweder der heutige Pfarrhof, oder das Bräu- bzw. Wirtshaus. Die Gegend um Haunersdorf im gesegneten Vilsthale hat einen fruchtbaren Boden. Die Hunoldstorfer verliehen in der nächsten Gegend herum mehrere Güter zu Lehen, wie die Ortschaften Lehen, Niederlehen und Saulehen.“

Wegen seiner Verdienste für den Benediktinerorden und in seinen Pfarreien durfte Josef Pflugbeil ein „Grafen-Wappen-Siegel“ tragen, das auch in seinem Buch eingearbeitet ist.

 

Die letzte Übergabe des Besitzes der Familie Mittermeier an den Sohn Matthäus, geb. 27.9.1864 in Haunersdorf, erfolgte 1882. Matthäus Mittermeier blieb ledig und bewirtschaftete den Besitz bis 1936.  

Wappen der Familie Mittermeier

Durch die zentrale Lage des Dorfes am Kreuzungspunkt der Verkehrsverbindungen von Salzburg zum Bayerischen Wald und von Passau nach München erlebte die Ortschaft einen starken Aufschwung in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. Großen Einfluss hatte dabei die Familie Mittermeier mit dem Besitz der Brauerei, des Gutshofes und der königlichen Postexpedition mit Pferdewechselstelle. Auf dem Gutshof pulsierte „Hofleben“. Es war, als bliebe die Glorie des ehemaligen Hunoldschen Schlosses auch weiterhin erhalten.  

Die älteste Fotografie, die bei unseren Nachforschungen gefunden wurde, zeigt eine Haunerdorfer Schulklasse mit Lehrer Matthäus Rollner am 27. April 1892 vor dem Haunersdorfer Schulhaus (jetzt Pfarrhofstraße 4, am 5.02.2000 ausgebrannt)

Nach der Jahrhundertwende, im Jahre 1903 erbaute die Pfarrkirchener Milchgenossenschaft eine Molkerei (Bahnhofstraße 1). Der Pfiff des Vilstalzügleins  ertönte  erstmals  1903 in Haunersdorf. Durch den großen politischen Einfluss der Familie Mittermeier verlegte die Eisenbahngesellschaft  die Bahnlinie von Landau kommend nicht, wie vorgesehen, über Eichendorf, sondern über Haunersdorf nach Arnstorf. Die Mittermeiervilla wurde noch vor Beginn des 1. Weltkrieges erbaut.

Bedienstete der Brauerei und des Gutshofes Mittermeier mit Brauereibesitzer Ignaz Mittermeier (links auf der Bank sitzend) im Jahre 1912

Anfang der zwanziger Jahre errichteten die Bayerische Warenvermittlungsgesellschaft und die Firma Voglmaier Lagerhäuser am Bahnhofsgelände.

  Ein Zug, der Seinerzeit auf dieser Strecke verkehrte

Im Verlauf der letzten hundert Jahre gab es eine einzige Priminz in Haunersdorf. Karl Wildenauer feierte sie am 6. August 1925 mit der Haunersdorfer Bevölkerung.

Als 1925 die Gemeinde Haunersdorf bereits 235 Einwohner zählte, errichtete die bayerische Regierung eine neue Landpolizeistation (Bahnhofstraße 4); die Gemeinde Haunersdorf baute unter größtem finanziellen Aufwand 1929 ein Schulhaus mit Zimmer für die Gemeindekanzlei in der oberen Pfarrhofstraße.

Nachdem das Erbe der Familie Mittermeier nicht geregelt werden konnte, verkaufte Geheimrat Matthäus Mittermeier den Hof und die Fluren 1936 an die Siedlungsgenossenschaft. Diese veräußerte die einzelnen Gehöfte an die Bauern. Die Brauerei übernahm Xaver Lang, Reisbach. Die Mittermeiervilla vermachte er testamentarisch der Gemeinde Haunersdorf. Der Gutsherr, Matthäus Mittermeier, war 33 Jahre Bürgermeister von Haunersdorf, Vorstand der Feuerwehr, Mitglied mehrerer Kammern und einflussreicher Politiker, Abgeordneter des Deutschen Reichstages und Träger höchster Orden und Ehrenzeichen. Er starb am 22.3.1939. Mit ihm ging auch die Ära des Mittermeier-Geschlechts im Dorf zu Ende.

 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann auch in unserem Dorf ein wirtschaftlicher Aufschwung. Die Zentralisierung schritt auf vielen Gebieten des täglichen Lebens weiter voran. Die Gemeinde nahm nach dem Krieg viele Heimatvertriebene auf; das Dorf vergrößerte sich durch den Bau von Einfamilienhäusern nach Osten und nach Süden hin.  

Bild der Hochwasserkatastrophe aus dem Jahre 1954

Am 4. März 1958 starb Josef Klarhauser im Alter von 76 Jahren. Er war von Beruf Straßenmeister, ehemaliger Bürgermeister des Dorfes, Mitglied der Kreisbauernkammer und Abgeordneter des Bayerischen Landtags in den Jahren von 1918 - 1933.

 

Bereits 1959 gründeten 46 Landwirte aus Haunersdorf und Umgebung einen Maschinenring.  1960 schloss die Landpolizeistation, das Gebäude ging in den Besitz der BayWa AG über. Gemeindeverbindungsstraßen zu den einzelnen Weilern und Gehöften wurden ausgebaut, die Umgehungsstraße in Richtung Aufhausen sowie eine neue Dorfeinfahrtstraße von Niederhausen wird gebaut und mit einer Teerdecke versehen. Der Antonibach wurde wegen der ständigen Überschwemmungen des unteren Dorfes auf einer Länge von 350 Metern neu verlegt, zwei Brücken aus Beton und drei weitere Überfahrten angelegt. Die Steuereinnahmen der Gemeinde Haunersdorf  werden  1961 mit 23.000 DM angegeben.

Die Einwohnerzahl betrug 1965 513 Personen, davon 83 Heimatvertriebene. Seit dem 2. Weltkrieg vergrößerte sich die Gemeinde um 21 Einfamilienhäuser, 2 Werkstätten, ein Getreidesilo, ein Lagerhaus und eine Tankstelle. Einige Stallungen und Gebäude der früheren Brauerei Mittermeier wurden abgerissen. Die Gemeinde errichtete auf dem ehemaligen Brauereigrund das Feuerwehrhaus und einen Parkplatz. Die Pfarrei erweiterte den Friedhof.

 

Bewegung kam in das Dorfleben ab Mitte der sechziger Jahre, als im Dorf viele Vereinsgründungen stattfanden. Die Landjugend, der Frauenbund, der Eisstockschützenverein, der Stammtisch Holiday, der Tennisverein, der wiedergegründete Obst- und Gartenbauverein, D’Haunersdorfer Fußballer, der Seniorenclub und die Faschingsmacher bereichern das Dorfleben. Zusammen mit den so genannten alten Vereinen wie dem Bauernhilfsverein, der Freiwilligen Feuerwehr und der Krieger- und Soldatenkameradschaft Niederhausen-Haunersdorf bilden sie eine lebendige Gemeinschaft.

 

1969 wurden die  Pfarreien Niederhausen, Mettenhausen, Reichersdorf, Exing, Haunersdorf und Aufhausen zum ersten Pfarrverband in der Diözese Passau mit Sitz Aufhausen zusammengeschlossen. 

Bild vom ehemaligen Haunersdorfer Bahnhofsgebäude  

 

Der Bayerische Staat leitete eine Gemeindegebietsreform ein. Die bis dahin selbständige Gemeinde Haunersdorf wurde nach Abstimmung 1972 dem Markt Simbach zugeteilt. Die Wirtschaft unseres Landes und des Dorfes befand sich im Umbruch; die Industrialisierung schritt voran, die Landwirtschaft stellt für die meisten Einwohner nicht mehr die Haupterwerbsquelle dar. Neue Arbeitsplätze entstanden in der verarbeitenden Industrie und im Dienstleistungsgewerbe.

Fahnenweihe des Bauernhilfsvereins Haunersdorf 1973

1976 löste der Schulverband die Haunersdorfer Schule offiziell auf. Südlich des Bahndammes wurde an der Sonnenstraße eine neue Siedlung gebaut.

1981 begann der Ausbau der Osterweiherwiesen im Osten des Dorfes zu einem Sportzentrum. Dem Fußballplatzbau folgte der Bau von zwei Tennisplätzen mit Vereinsheim und die Eisstockschützenhalle.

Im Nordosten des Dorfes  erbaute die Marktgemeinde Simbach 1983 eine Abwasserkläranlage und der Anschluss aller Grundstücke im Ortsbereich, an das zentrale Abwassernetz erfolgte 1984.

Am 23. Mai 1985 stellte die Marktgemeinde Simbach für den Ortsteil Haunersdorf beim Verband für Ländliche Entwicklung den Antrag, in das Programm der Dorferneuerung aufgenommen zu werden. Die Planungen verliefen anfangs schwierig und die Verantwortlichen brauchen auch jetzt noch viel Geduld und Stehvermögen.

Weitere Baugebiete wurden Ende der achtziger Jahre im Süden des Dorfes ausgewiesen. Die Marktgemeinde Simbach verlegte ein Wasserleitungsnetz, mit dem die einzelnen Haushalte mit Trinkwasser aus Kugl versorgt werden.

Einweihung des Tennis-Vereinsheimes 1990

Der Bahnverkehr, der in den vergangenen 20 Jahren nur noch zum Transport von Gütern Verwendung fand, wurde 1992 aus Kostengründen von der Deutschen Bundesbahn endgültig eingestellt.

Am 16. Oktober 1994 wählten die Stimmberechtigten des Wahlkreises Dingolfing-Landau und Rottal-Inn den ehemaligen 1. Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Haunersdorf, Max Straubinger, zum Abgeordneten des Deutschen Bundestages.

Wegkreuz-Weihe an der Hauptstraße am 15. August 1994
Zehn Jahre nach Antragstellung, am 15. Mai 1995, erfolgte mit der Teerung der Hauptstraße die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes der Dorferneuerung. Die zweite große Baumaßnahme der Dorferneuerung, der Ausbau der Bahnhofstraße, wurde nach fünfmonatiger Bauzeit im Herbst 1995 abgeschlossen. Als weitere Maßnahmen kamen 1996 und 1997 die obere Dorfstrasse, der Dorfplatz mit Brunnen, die Kirchenaufgänge und Friedhofsmauern und die Pfarrhofstrasse zur Ausführung. Dabei musste auch das alte Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr (1890 bis 1968) abgerissen werden. 1998 wurde dann der Bauabschnitt Dorfmitte mit Busspur und Buswartehäuschen ausgeführt. Den Abschluss fand die Dorferneuerung 1999 mit dem Bauabschnitt Aufhausener Straße zur vollen Zufriedenheit der Verantwortlichen und der Bevölkerung.

Die Marktgemeinde Simbach verkaufte die ehemalige Mittermeiervilla an den Landkreis Dingolfing-Landau. Dieser ließ das Gebäude renovieren und zu einem Jugendtagungshaus umfunktionieren, das am 11. Januar 1996 feierlich eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben wurde.

Vom 7. bis 10. Juni 1996 feierte die Freiwillige Feuerwehr Haunersdorf das 125jährige Gründungsfest mit Segnung der restaurierten Fahne. Dieses großartige Fest wird noch lange in der Erinnerung der Dorfbevölkerung bleiben. Außerdem feierten die Haunersdorfer Fußballer ihr 10jähriges, der Eisstockclub sein 25jähriges und der katholische Frauenbund ebenfalls 25jähriges Bestehen.

Die Pfarrkirche, das Wahrzeichen des Dorfes über Hunderte von Jahren, wurde von 1994 bis 1996 innen und außen renoviert und am 27. Juli 1997 feierte die Pfarrei mit Generalvikar Lorenz Hüttner aus Passau den Abschluss der Kirchenrenovierung.

Von April bis Juni 1998 wurden die Gleisanlagen der ehemaligen Bahnstrecke Landau - Arnstorf abgerissen um auf dieser Strecke einen Radweg zu errichten. Max Straubinger wurde erneut für den Stimmbezirk Dingolfing-Landau und Rottal-Inn in den Bundestag gewählt.

Am 3. Juni 1999 suchte Haunersdorf ein schwerer Orkansturm heim und verursachte große Schäden im Ortsbereich und Umgebung. So wurde auch die alte Linde beim St. Antoni Kirchlein entwurzelt.

Vetreter des Dorfes nehmen die Silbermedaille in Empfang   

Am 17. August 1999 wurde der Bockerlbahnradweg auf der ehemaligen Bahnstrecke Landau-Arnstorf seiner Bestimmung übergeben und Haunersdorf ging 1999 beim Kreisentscheid „Unser Dorf soll schöner werden“ als Sieger hervor.  Im Februar 2000 brannte das älteste Gebäude im Dorf, das alte Schulhaus ab. Das Wirtshaus der Brauerei Lang wurde innen renoviert am 22. August neu verpachtet. Uli Bauer wurde am 8. Oktober zum Diakon geweiht. Haunersdorf beteiligte sich unter großartiger Anteilnahme der Dorfbevölkerung am Bezirksentscheid „Unser Dorf soll schöner werden“  und errang eine Silbermedaille. In den letzten Jahre wurden die Baugebiete Ziererfeld, Kirchengrundstücke und Bergacker am südlichen Dorfrand von Haunersdorf ausgewiesen und durch rege Bautätigkeit hat sich Haunersdorf somit nach Süden hin weiter vergrößert.